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31 Juli 2007

Wie ich einmal zum Kronzeugen der NPD wurde...

So oft habe ich in den vergangenen Jahren über die NPD geschrieben - da ist es vielleicht nur gerecht, auch mal in der Parteizeitung Deutsche Stimme zum Objekt der Berichterstattung zu werden. "Der bekannte 'Rechtsextremismus-Experte' Toralf Staud zieht wieder durch die Lande", beginnt ein vierspaltiger Text in der Juli-Ausgabe (man beachte die Anführungszeichen). Anlass war meine Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der SPD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag Anfang Juni in Kiel.

Im ersten Teil des Textes lobt der Autor, NPD-Landesvize Ingo Stawitz, wortreich: Ich gehörte "zu den intelligenteren publizistischen Gegnern der nationalen Opposition in Deutschland", plapperte "nicht nur die Stichworte der 'Verfassungsschützer' nach" und spräche im übrigen "nicht mit Schaum vor dem Mund".

Der Zweck dieser Würdigungen wird schnell klar. Stawitz baut einen Kronzeugen auf für eine ihm sehr genehme These: "'Rechtsextremismus-Experte' hält es für unglücklich, die NPD als 'rechtsextremistisch' oder ähnlich zu bezeichnen" hatte der schleswig-holsteinische Landesverband schon kurz nach der Podiumsdiskussion stolz auf seiner Internetseite gemeldet. Dieselbe - aus dem Zusammenhang gerissene und dann zurechtgebogene - Aussage verbreitet nun auch die Deutsche Stimme: "Die Bezeichnung 'völkisch' treffe am genauestens das Wesen der Partei." Womit sich die Partei als relativ harmlos darzustellen versucht.

Wirklich gesagt hatte ich, dass der in der deutschen Politik(wissenschaft) leider allgegenwärtige Begriff "Rechtsextremismus" für die Öffentlichkeit eher verwirrend ist, wenn die heutige NPD ihren "nationalen Sozialismus" propagiert. Für eine argumentative Auseinandersetzung mit der Partei sollte man deshalb ihren ideologischen Kern präzise benennen - und dekonstruieren: das völkische Menschen- und Weltbild, aus dem Rassismus, Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Chauvinismus und Autoritarismus zwangsläufig folgen.

Dazu schreibt Ingo Stawitz - leider - nichts.